DAS HOSPITALSTRAßE 46 ALPHABET


V wie Villa

erster Wohnstandort der Familie WindmüllerPatriarchales Unternehmertum, wie man es am Ende im 19. Jahrhundert üblicherweise kannte, sah sich im Selbstbild zur Notwendigkeit von Repräsentanz und Kontrollfunktion verpflichtet. Das war auch beim Gründer der WMI, Sally Windmüller, so! Der erste Wohnstandort der Fam. Windmüller war in der Blumenstraße/Ecke Cappelstraße und lag damit in „Blicknähe“ zur neuen Fabrik in der Hospitalstraße. Kontrollsicht aus der Wohnlage heraus war also gewährleistet. Das familieneigene Fabrikgrundstück in der Hospitalstraße, in unmittelbarer Nähe zur damals neuen Bahnlinie (1851), war ursprünglich mit einer Scheune für den Futtermittelhandel der Familie bebaut. 1895 entstand hier dann Windmüllers Lampenmanufaktur, in der Bevölkerung „Lampenbude“ genannt. Ob das heute noch in der Hospitalstraße erhaltene Haus mit der Jahreszahl 1895 auch direkt als Wohnsitz für den Fabrikbesitzer diente oder nur Firmensitz darstellte, ist nicht geklärt. Nach der Hochzeit 1892 mit Helene Sternberg wohnte S. Windmüller zuerst in der Cappelstraße 17 zur Miete.

Die 1899 erbaute Villa des Direktors1899 entstand dann, angrenzend an sein Elternhaus, eine Stadtvilla als Familienwohnhaus mit Anspruch auf „Repräsentanz“ (Bauantrag bereits 1892!). Das heute noch erhaltene Haus an der Kreuzung Cappelstraße/Blumenstraße, mit seinem aufwändigen Fugenschnitt, Diamantquaderung der Fensterumrandungen im Erdgeschoss oder der opulenten Ornamentik, passte zum Image des aufstrebenden Fabrikanten. Der neuhistorisierende Bau in Art eines „Lippstädter Mischstils“ behielt mit seiner Ausrichtung den direkten Bezug zur unternehmerischen Wirkungsstätte. Die Fabrik in der Hospitalstraße war somit stets im Blick! Dieser Produktionsstandort, mit günstiger Verkehrsanbindung und Nähe zur Eisenbahn, wurde aber durch den großen Unternehmenserfolg schon Anfang des 20. Jahrhunderts, nach 15 Jahren Unternehmen, zu beengt. Die WMI beschloss eine Standortverlagerung an den Stadtrand im Osten. Und so entsteht dann - wiederum in unmittelbarer Bahnliniennähe - ein neues Betriebsgelände mit einem großen Fabrikationsgebäude und Werkshallen in der Lüningstraße. Die Einweihung erfolgte am 21. Oktober 1911.  Und wie war es mit der Wohnung des „Direktors“ und der Nähe zur Fabrik? Folgerichtig baute Windmüller 1911 dann auch ein neues Familiendomizil: Eine zweite repräsentative Villa an der Esbecker Straße mit direktem Blick auf das neue Werk! Architektur und Größe verraten auch hier wieder Besitzerstolz und dokumentieren eine Unternehmersicht, die eine direkte Verbundenheit zum Betrieb pflegt. Die neue Villa an der Esbecker Straße ist so gebaut, dass noch heute die MitarbeiterInnen der Hella auf dem Weg zur Arbeit am Haus des ehemaligen Direktors vorbei gehen müssen!

Zwei Stadtvillen dokumentieren noch heute Unternehmersicht und Unternehmergeschichte des aufstrebenden WMI Unternehmens der Hospitalstraße!