Nachlese

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Lippstadt im 14./15. Jahrhundert: Zünfte und Handwerker

Am Samstag, den 13. Februar 2010, fand unter großer Beteiligung – ca. 70 Interessierte hatten sich trotz des Winterwetters eingefunden – der 2. Stadtspaziergang im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum 825-jährigen Stadtjubiläum statt.
Unter der Leitung von Ulrich Heße und Wolfgang Brülle wurde der Bedeutung der Zünfte oder Ämter, wie sie in Lippstadt bezeichnet wurden, nachgegangen. Dazu gehörten die Kontrolle über die Anzahl der Handwerker und Gesellen, die Aufstellung von Regeln des Handwerkberufes und deren Überwachung.
Auch wirtschaftliche, religiöse, soziale und militärische Aufgaben (Feuerwehr, Schutz der Stadtmauern, Qualitätsbestimmungen, Begrenzung der Produktionsmengen) hatten die Ämter inne.
Anfangs hatten die Ämter keinen politischen Einfluss. Erst als die Handwerker den Hauptteil des Steueraufkommens aufbrachten, verlangten sie auch ein Mitsprachrecht im Magistrat. 1531 wurde die Vorherrschaft der Patrizier gebrochen und die Ratsverfassung geändert. Im „Tribunium“ – einem „Nebenrat“ – befassten sich die gewählten Richtleute nun mit wirtschaftlichen und politischen Fragen, übten aber auch eine Finanzkontrolle gegenüber dem Stadtrat aus.
Bis 1670 waren 9 Ämter in Lippstadt belegt. Heute gibt es nur noch 4 sichtbare Zeugnisse in der Stadt: das Cramer- oder Krämeramt (Brüderstr. 9), das Schmiedeamt (Rathausstr. 6), das Lohgerberamt (Cappelstr./vor dem Ostchor der Nicolaikirche) und das Metzgeramt (Poststr. 24).
Hier bildete der Besuch im Inneren des Metzgeramtshauses den Abschluss des Stadtspaziergangs. Am Beispiel des Metzgeramtes, der einzigen seit dem Mittelalter noch amtierenden Zunft in Deutschland, erklärte Wolfgang Brülle, z. Zt. Erster Droste des Amtes, die Arbeit und Aufgaben der Ämter.

Baumpflanzung im Stiftspark

Der Heimatbund Lippstadt beteiligte sich erneut mit einer "Baumspende" an der Erneuerung des Baumbestandes in Lippstadt. Nach Pflanzung von Bäumen am Evangelischen Gymnasium und Beteiligung an der Pflanzung von Eschen an der südlichen Umflut stand nun derStiftspark im Blickpunkt.
Der Orkan Kyrill, der am 19. Januar 2007 über Lippstadt hinwegfegte, richtete dort damals schwere Schäden an, und einige alte Bäume stürzten um. Damit verschwanden Bäume, die noch vom Stiftsrentmeister Blankenburg im ausgehenden 19. Jahrhundert gepflanzt worden waren. Nach "Kyrill" wurde der Baumbestand im Stiftspark in der Folgezeit durch gezielte Nachpflanzungen erneuert. Der Heimatbund Lippstadt pflanzte nun, beraten und unterstützt durch das Grünflächenamt der Stadt, eine Goldulme.
Beim Ortstermin am Samstag, den 15.1.2011 wurde den Vereinsmitgliedern von Lothar Dreckhoff vom Grünflächenamt der Stadt der Baum dann vorgestellt. Die noch junge Goldulme wird mit anderen, nicht alltäglichen Bäumen, die dort schon stehen, den Charakter des Stiftspark als Oase der Ruhe und des Besonderen prägen.
Auf dem Foto - von rechts: Wolfgang Brülle, Dr. Marlies Wigge und Willi Kröger vom Heimatbund Lippstadt

Aus den Anfängen Lippstadts - Märkte und Pilger

Am Samstag, den 9. Januar 2010, fand der erste Stadtspaziergang im Stadtgründungs-Jubiläumsjahr statt. Dr. Claudia Becker vom Stadtarchiv und Dr. Herbert Pötter vom Stadtmuseum konnten eine Gruppe Interessierter begrüßen, die sich mit auf die Suche nach den Anfängen des Marktes und den Spuren des Pilgerwesens begaben.

Der alte Markt im Osten der Nikolaikirche erinnert an die Anfänge der Ansiedlung, schon bevor Bernhard II seine eigene Stadt direkt am Ufer der Lippe gründete. Aus Quellen wissen wir von diesem Markt noch im 15 Jahrhundert, während der "neue Markt" schon im 12. Jahrhundert durch die Existenz eines Marktrichters belegt ist. Lippstadt als Handelsstadt profitierte von der liberalen Handhabung des Marktrechtes durch den Stadtgründer und zog deshalb viele Menschen an, die hier Güter tauschten und kauften. Die Nikolaikirche selbst war als erste Kirche im Stadtgebiet immer etwas Besonderes.

Pilger und Händler benutzten gemeinsame Routen, hatten aber durchaus andere Ziele. Die Pilger, die auf einem der zahlreichen Jakobswege auch nach Lippstadt kamen, konnten sich der Fürsorge einer eigenen Jakobsbruderschaft gewiss sein und fanden Obdach auch im Brüderkloster im Südosten der Stadt. Ihre Kirche war jedoch lange Zeit die Jakobikirche, in der heute noch eine Statue an die Pilgerzeiten erinnert.
Die Besucher waren sich einig, dass das Zittern in der Kälte durch einen Zuwachs an Wissen um das frühe Leben in Lippstadt wettgemacht wurde. In zwei Kirchen, dem Rathaus und dem Stadtmuseum ergaben sich immer wieder Aufwärmphasen, die gern wahrgenommen wurden.
Die Reihe "Stadt-Land-Fluss" wird fortgesetzt.

Die Wiedenbrücker Schule

Eine Halbtagesfahrt führte im Dezember 2009 eine Gruppe von Interessierten nach Wiedenbrück. Im neuen Museum "Wiedenbrücker Schule" zeigte Manfred Schumacher vom Heimatverein Wiedenbrück den Lippstädtern, welche Schätze das neue Museum birgt. In einer ehemaligen Werkstatt können die Besucher die vielen Arbeitsschritte vom Entwurf bis zum versandfertigen Altar oder anderen Ausstattungsstücken für kirchliche Bauten verfolgen. Das Museum bietet vielfältige Präsentationstechniken an, die das Thema für alle Interessentengruppen zugänglich macht.

Nach dem Stadtspaziergang in Lippstadt im November waren Namen wie Goldkuhle oder Repke schon geläufig. Die Wiedenbrücker Schule umfasste aber eine Vielzahl von Künstlern und Kunsthandwerkern, die für Jahrzehnte das wirtschaftliche Bild der kleinen Stadt an der Ems bestimmten.

An den Mueumsbesuch schloss sich ein Bummel über den Weihnachtsmarkt an, bevor wir dann am frühen Abend wieder den Heimweg antraten.
Im Januar begeben wir uns in Lippstadt auf die Spuren von Pilgern und Beschickern und Besuchern der ersten Märkte...

Foto Egbert Rüngeler

Auf den Spuren der Wiedenbrücker Schule

Am Samstag, 14. November gingen ca 25 Interessierte hier in Lippstadt auf die Suche nach Spuren von Künstlern der "Wiedenbrücker Schule". Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in Wiedenbrück eine sehr produktive Werkgemeinschaft von Künstlern und Kunsthandwerkern, die im Stil des Historismus Kirchen gestalteten.

In Lippstadt zeichnet sich eine interessante Verbindung zwischen der Wiedenbrücker Schule und dem hiesigen Kirchenmaler, Peter Wittkop ab. Peter Wittkop bildete in seiner Werkstatt von 1863 bis 1866 Georg Goldkuhle, einen der frühen Maler der Wiedenbrücker Schule aus und arbeitete auch später mit ihm zusammen.

Im Anschluss an eine kurze Einführung in das Thema im Rathaus, dessen Decke von Peter Wittkop gestaltet wurde, besuchte die Gruppe die Nikolaikirche, um vor Ort die Ausmalungen durch die Lippstädter und Wiedenbrücker Künstler nachzuvollziehen. Die Gruppe, geführt von Marlies Wigge und Lotte Jungeblodt wurde von Josef Menke in der Nikolaikirche herzlich empfangen.

Einige Inventarstücke wie der Marienaltar der Werkstatt Brockhinke und eine Figur des heiligen Josef sind in der Nikolaikirche noch erhalten. Andere Teile der Kirchenausstattung, die der Wiedenbrücker Schule zuzurechnen sind, wurden bei Umgestaltungen entfernt.

Die Wiedenbrücker Schule und ihre Künstler wie die Goldkuhles, oder Heinrich Repke und andere, werden Interessierten im Dezember wieder begegnen. Am Samstag 12. Dezember bietet der Heimatbund Lippstadt unter der Leitung von Karin Dietrich und Andre Scheidler eine Halbtagesfahrt
nach Wiedenbrück an. Wir wollen dann nach einer Führung im Museum "Wiedenbrücker Schule" anschließend auch den Weihnachtsmarkt in Wiedenbrück besuchen.
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