Nachlese

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Heimatbund besucht Baustelle Kanustrecke


Im Rahmen der Reihe „Stadtspaziergänge“ kam eine Gruppe des Heimatbundes Lippstadt am vergangenen Samstag in den Genuss einer Baustellenbegehung an der Kanustrecke hinter dem Ostendorf-Gymnasium.
Unter fachkundiger Führung durch Herrn Holger Kulik (Bezirksregierung Arnsberg) hatten die Teilnehmer die seltene Gelegenheit mitten in der Stadt durch das trockengelegte Bett der Lippe zu spazieren.
Herr Kulik erläuterte den interessierten Zuhörern anschaulich die gesamte Baumaßnahme, welche in erster Linie eine Maßnahme zum Hochwasserschutz darstellt. Gleichzeitig aber wird die Umgestaltung der Lippe dazu führen, dass die Attraktivität der Kanustrecke gesteigert wird.
Nach einem historischen Überblick über die Veränderung der Lippeführung durch die Innenstadt (Umfluten, Schifffahrtskanal) und der verschiedenen Nutzungen als Teil der Befestigungsanlage, als Mühlenstandort und Wasserweg wurde den Teilnehmern anschaulich erklärt, wie die Lippe an der ehemaligen Burgmühle demnächst verlaufen wird. Die Lippe wird in diesem Bereich zukünftig geteilt und am Ende wieder zusammengeführt (Trennung von Hauptfluss und Kanustrecke), so dass eine neue Insel entstehen wird, die für die Öffentlichkeit über eine Brücke zugänglich sein wird.
Es werden ein drittes innerstädtisches Wehr und Aufstiegstreppen für Fische gebaut.
Dass die Baustelle trocken bleibt wird dadurch erreicht, dass die Lippe am Tivoli zurückgestaut wird, so dass die Haupt-Wassermenge über den Kanal abfließt. Ganz trocken hingegen darf die Lippe nicht gelegt werden, weil sonst an den ufernahen Gebäuden Schäden entstehen würden.
Die Baumaßnahme wird voraussichtlich im Frühling 2025 abgeschlossen sein.

 

Neugestaltung Marktplatz mit Museumserweiterung - ein Entwurfsgedanke


In der Beiratssitzung am 08.11.2022 stellten Herr Bernd Passgang und Frau Annette Illert-Passgang das schon am 30.9.22 am Stadtmuseum zum Aktionstag ausgestellte Modell einer möglichen Museumserweiterung und Marktplatzgestaltung vor. Nach einer Präsentation der beiden Architekten entspann sich eine angeregte Diskussion mit ihnen zu Einzelheiten der Planungen und möglichen Veränderungen im Stadtbild.

Spaziergang "Auf die Plätze" Samstag 8 Januar 2022 Dr. Marlies Wigge und Ulrich Bökenkamp


Auf dem Rathausplatz am Pranger oder im Drillhäuschen den Spott der Mitbürger zu ertragen, war sicher kein Spaß, doch diese Funktionengehörten zu diesem ersten und immer offenen Platz direkt in der Mitte der Stadttor Lippe dazu, erst spät wurde daraus auch ein Platz für den Wochenmarkt. Andere Plätze entpuppten sich als ehemals bebaut, so der Marktplatz, der erst seit ca 60 Jahren als Parkplatz dient und vorher mit allerlei Wohn-und Wirtschaftsgebäuden, so einer Brauerei bebaut war. Die Gruppe Interessierter erkundete weitere alte Plätze, so den Kuhmarkt, dessen geplante Umwandlung in einen Flugzeugfabrikationsstandort dann durch den ersten Weltkrieg verhindert wurde. Der "alte Markt" unweit der Nicolaikirche kann als ältester Platz gelten, dessen Geschichte durch die gerade laufenden archäologischen Grabungen hoffentlich detailreicher wird. Der Levy-Platz südlich des Stadtarchivs, ein neugeschaffener Platz auf dem Gelände eines ehemaligen Patriziersitzes erinnert an die Geschwister Levy, deren Schicksal auch mit der Verlegung der ersten Stolpersteine in der Cappelstraße19 im Gedächtnis der Stadt bleibt. Am Zurhelle-Platz gegenüber der ehemaligen Reichsbank fand bis Ende des 19. Jahrhunderts ein Wochenmarkt statt, der dann mit Rücksicht auf die Eierverkäufer und veränderte Bedürfnisse der BürgerInnen der Stadt schließlich zum Rathaus verlegt wurde.

 

Blasiusessen

Am Dienstag, 4. Februar 2020 genossen die Gäste des Heimatbundes, VertreterInnen des Bürgermeisters und Mitglieder der Ratsfraktionen gemeinsam mit Vorstand und Beirat beim Blasiusessen Grünkohl und deftige Beilagen.

 

Kulturgespräch 05. Dezember 2019


Begrüßung Dr. Marlies Wigge
Herzlich willkommen zu unserem dritten Kulturgespräch, bei dem man fast sagen könnte: alle Jahre wieder. Tatsächlich trat nach dem ersten Gespräch hier in der Jakobikirche (Sie erinnern sich: die Besetzung der vakanten Museumsleitungsstelle im Jahre 2016 ) eine Pause ein. Wir haben dann 2018 erneut diesen Rahmen des Austausches mit der Öffentlichkeit gesucht, als es um den Erhalt des Hella Bauensembles ging.
Und nun sind wir wieder hier, um an diesem Abend zu informieren, zu motivieren und vor allem die Standpunkte des Heimatbundes und der mit unserem Verein kooperierenden Vereine zu vermitteln.
Begrüßen darf ich Sie alle, besonders Herrn Bürgermeister Sommer, aber auch die Riege der Fachleute aus Verwaltung und Wissenschaft, die sich bereit erklärt haben, heute Abend mitzuwirken.
Erfreulicherweise sind unter den FachvertreterInnen viele, die gleichzeitig auch Mitglieder im Heimatbund sind, wie ein Blick in die Runde zeigt. (Die anderen können es im Anschluss an diese Veranstaltung flugs werden)
Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt auf Vermittlung von Informationen, Sachverhalten und dann der Diskussion von Perspektiven und Strategien. Dies ist ein anspruchsvolles Vorhaben, von dem wir uns aber doch versprechen, dass die Themen, um die es in Lippstadt aktuell und längerfristig geht, von allen politisch Verantwortlichen und den Interessierten (und nicht nur den hier Anwesenden) demnächst mit mehr Wissen um Hintergründe und Alternativen behandelt werden.
Im Kulturforum vor einer Weile wurde die Aussage diskutiert, ob denn Kultur für alle zu machen sei, oder doch eher von allen oder mit allen. Für uns ist mit der Ausrichtung dieses Kulturgesprächs die eindeutige Positionierung verbunden, dass wir langfristig der Unwirtlichkeit der Städte und der gesellschaftlichen Verflachung nur entgegenwirken können, wenn wir der Richtung "Kultur mit allen" folgen. In diesem Sinne soll diese Veranstaltung einer Standortbestimmung dienen, uns und Ihnen vor Augen führen, was wir hier in Lippstadt an historisch wertvoller Substanz haben und wie wir diese Schätze angemessen und nachhaltig weiter pflegen können.
Diese Veranstaltung des Heimatbundes findet in enger Kooperation mit dem Förderverein des Stadtmuseums und auch dem Kulturrat statt. Beide Vorsitzende möchte ich hier herzlich willkommen heißen, also Herrn Börskens für den Förderverein und Frau Daus für den Kulturrat.
Unser Kulturgespräch ist eine Herausforderung an Sie, verehrte Anwesende, sich mit einer Fülle von Informationen auseinanderzusetzen und in Lippstadt in diesem Sinne Kultur mit allen zu gestalten.
Einer, der sich dieser Maxime (Kultur mit allen) schon lange verschrieben hat, ist der Initiator dieser Veranstaltung, Professor Heinrich Münz, Mitglied des Beirats des Heimatbundes. Er hat unser Gespräch vorbereitet und die inhaltlichen Akzente gesetzt, sich um viele logistische Belange gekümmert und wird nun auch als Moderator durch diesen Abend führen.
Bevor er das tut, wird Herr Bürgermeister Sommer als Schirmherr dieses Kulturgesprächs nun sprechen. Wir freuen uns, dass Sie Herr Bürgermeister trotz vieler Terminverpflichtungen sich die Zeit nehmen, heute Abend hier zu sein und hoffen natürlich auch, dass Sie uns in unserem Bemühen um die Geschichtsbewahrung der Stadt Lippstadt unterstützen.


Eingangsstatement Kulturgespräch 2019 Prof. Dr. Heinrich Münz
Meine sehr geehrten Damen und Herren
Die Menschheit wird zurzeit existenziell von zwei ernsthaften Entwicklungen bedroht: Zum einen von den Folgen des Klimawandels: Er gefährdet in den nächsten Jahrzehnten fatal unsere ultimaten, also grundlegenden Lebensbedingungen. Aber es gibt auch ein zweites Großproblem, aktuell weniger im Blickfeld: Die Geschichtsvergessenheit. Die Ignoranz geschichtlicher Fakten bedroht perspektivisch ähnlich fatal unsere gesellschaftliche Existenz – und beide Probleme hängen auch zusammen.
Die Schwierigkeit bei beiden Gefährdungen besteht darin, dass wir für diese Art von Bedrohung keine natürlichen Sinnesorgane besitzen, alleine unsere fünf Sinne sind damit völlig überfordert. Wäre es anders, hätten wir hier direkten biologischen Zugang: Wir würden unweigerlich psychisch hochbelastet und sofort situationsdepressiv…
Zum Erkennen dieser Bedrohungen wird essentiell Wissenschaft benötigt. Fähigkeiten zur Abstraktion und Analogiebildung, zu zusammenschauender Bewertung sind hier gefordert, kurzum humankognitive Kompetenz gefragt. Und dafür sind Bildungsanstrengungen von größter Bedeutung!
Geschichtsvergessenheit und Ignoranz historischer Fakten spiegeln sich zurzeit in fast allen globalen politischen Entwicklungen (…aufkommender Nationalismus, Protektionismus, imperiale Drohungen), aber sind auch in unserem unmittelbaren Alltagsrahmen präsent. Wenn in Deutschland, auch hier in Lippstadt, wieder Artgenossen mit Ideen werben, die vor 80 Jahren innerhalb von 5 Jahren in Europa keinen Stein mehr auf dem anderen ließen, gibt das doch ziemlich zu denken! Was ist falsch gelaufen, wo liegen Gründe?
Und damit kommen wir zum Thema des Heimatbunds für diesen Abend: „Wer seine Wurzeln pflegt, kann wachsen“. Ich als Naturwissenschaftler würde noch ein „Nur“ davorsetzen! Also, analog zur Botanik: Wenn die Gesellschaft ihre historischen Wurzeln ignoriert, kracht bald der Baum! Somit steht die Frage im Raum, wie gehen wir mit unseren geschichtlichen Wurzeln, unserer Geschichtskultur und der Notwendigkeit zu geistiger Bildung um? Schimpansen können rechnen und kennen Technik, aber Lyrik, SeinsHinterfragung oder Geschichtsbewusstsein sind ihnen nicht gegeben. Diese sind relevante und exklusive Humanfaktoren!
Führe ich Besucher durch die Stadt, starten oder landen wir oft am Bürgerbrunnen. Neun historische Figuren sollen Lippstadts Geschichte symbolisieren. Für den kulturinteressierten Beobachter fällt auf: Vier Figuren haben einen ökonomischen Bezug, vier Figuren einen Kriegsbezug und nur eine Figur, der Mönch Johannes Westermann, hat etwas mit „geistiger“ Bildung zu tun. Es sieht so aus, dass Lippstadt mit kulturell - geistiger Bildung nicht viel zu tun hatte. Aber ist es wirklich so, hat Lippstadt hier nichts zu bieten? Graben wir mal in den historischen Wurzeln. Es ist so wie bei Trüffeln: Man muss ein bisschen suchen und findet dann Köstliches! Unter dem Boden der öffentlichen Wahrnehmung gibt es in Lippstadt markante Bezüge zur allgemeinen Kulturentwicklung in Deutschland oder Europa: Hier wurde ein Johannis Cincinnius und David Gans geboren, hier lebten Johannes Westermann, Caspar Ulenberg, Antonius Prätorius, Hermann Müller. Doch wo kann man sie, außer manchmal am Straßenschild, finden? Fragen Sie sich mal, wer kann in Ihrer Umgebung mit diesen Namen wirklich etwas anfangen?
Neben diesen Personen besitzt Lippstadt auch historische Bezüge zu technischen Entwicklungen von besonderem Rang. Etwa in den Funden im Hohlen Stein zur Ahrensburger Kultur (der Steinzeitperiode der Rentierjäger, die Pfeil und Bogen erfanden). Wir haben sie im Museumsfundus …oder wir sind die Stadt, in der der Autoscheinwerfer erfunden wurde! Wo ist diese Geschichte gesammelt, wo wird sie präsentiert? Unsere Politik müsste mehr Leidenschaft für die Geschichte zeigen, sie zur städtischen Identifikation und touristische Position nutzen!
Anscheinend hat sich schon unser Stadtgründer, Bernhard II., Gedanken um die Probleme der „Geschichtsvergessenheit“ gemacht. Das älteste Schriftstück in der Stadt, das von ihm um 1220 gesiegelte Lippstädter Stadtrecht, beginnt mit den Zeilen… Circumstantia rerum temporalium mentis acumen dilabitur... „Zeitbedingte Umstände beeinträchtigen die Zuverlässigkeit des Gedächtnisses“ und dann weiter „schriftliche Aufzeichnungen jedoch halten den Verlauf der Ereignisse fest. […]“.
Wir benötigen Aufzeichnungen, Sammlungen und Institutionen gegen die Geschichtsvergessenheit, sonst laufen wir Gefahr, uns bald im Verhalten nicht mehr von den Lebensformen unserer zoologischen Schwestergruppen, den Schimpansen und Bonobos, zu unterscheiden. Die geistige Errungenschaft von Humanismus und Aufklärung sind mal gerade 500 Jahre alt, in vielen Teilen der Welt aber noch nicht angekommen, und steht aktuell unter massivem kommerziell orientiertem Beschuss!
Meine Damen und Herren,
die Förderung von Bewusstheit zu geschichtlichen Zusammenhängen, die Präsenz von Museumskultur und Darstellung der historischen Bezüge sind keine Aspekte schöngeistiger Sammlungsromantik, sondern betreffen eine relevante Überlebensfrage!
Der Heimatbund fühlt sich dem kulturhistorischen Erbe unserer Stadt und ihrer damit zusammenhängenden Zukunftsfähigkeit verpflichtet. Wir bemühen uns intensiv, hierzu Fragen in die Öffentlichkeit zu tragen, die Thematik bewusst zu machen und darüber städtische Entwicklungschancen zu sichern. Dieses ist auch Ziel in unserem heutigen Kulturgespräch! Wir möchten eine breite öffentliche Information zum Stand unserer Sichten und Überlegungen zu den kulturhistorischen Baustellen Lippstadts geben.



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