Bad Driburg - Herausforderungen der Stadtentwicklung
Wie stellt sich eine über 700 Jahre alte, ländlich geprägte Kleinstadt, die auch Kurort ist und in der Nähe der Großstadt Paderborn liegt, den Herausforderungen des demographischen Wandels und den veränderten Wohn- und Wirtschaftsstrukturen der Gegenwart?
Welche konzeptionellen Planungen werden erstellt, welche Leitbilder entwickelt, welche Anstrengungen in der Gestaltung des Stadtbilds unternommen, um den strukturellen Widrig?keiten des ländlichen Raums zu begegnen, deren Nachteile vielleicht sogar in Vorteile umzumünzen?
Diesen Fragen soll im Rahmen einer Tagesexkursion nach Bad Driburg nachgegangen werden. An ausgewählten Stationen vor Ort, die allesamt auch touristische Highlights sind (im Jahre 2008 wurde Bad Driburg als bester Touristikstandort in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet!), werden beispielhaft die Stadtentwicklung Bad Driburgs dargestellt und mögliche Zukunftskonzepte aufgezeigt.
Die Leitung der Fahrt hat Hermann Großevollmer, der in Bad Driburg wohnt und dort ehren?amtlicher Stadtheimatpfleger ist.
Hermann Großevollmer ist außerdem gebürtiger Lippstädter und seit einiger Zeit Mitglied des Beirats des Heimatbundes (die Red.).
(Fortsetzung des Beitrags in Mitteilungen Nr. 20 vom Nov. 2010)
Der mittlere, älteste Bauteil war bis 1958 durch einen kreuzförmigen Flur in vier Teile unterteilt. Eine Zeichnung von Marie Steinbecker zeigt einen Blick nach Norden. Rechts ist noch der 1958 verkleinerte Kamin zu sehen, im hinteren Teil die heutige, ursprünglich für die Dienstboten errichtete Treppe und links daneben befindet sich noch ein Raum, der inzwischen dem Foyer zugeschlagen wurde.
Die Bel Etage wurde 1770 vollständig umgestaltet. Lediglich eine ältere Querwand, die zur Aussteifung des Gefüges notwendig war, blieb erhalten und weist noch heute auf die Dreiteilung des Hauses hin. Alle anderen Wände wurden erst 1770 errichtet, um die heutige Raumgliederung zu schaffen.
Die Räume im nördlichen und mittleren Teil der Bel Etage wurden 1770 mit aufwendigen Stuckdecken versehen, die wohl als Werkstattarbeit der Gebrüder Metz aus Attendorn anzusehen sind, die nach 1767 die Jesuitenkirche in Büren ausgestattet haben. Das aufwendige Programm der Decken weist zwar auf einen künstlerisch versierten Stuckateur hin, die Ausführung ist jedoch im Vergleich zum Stuck der Bürener Jesuitenkirche weitaus weniger filigran und somit wohl nicht vom Meister selbst ausgeführt worden. Der Stuck in den Repräsentationsräumen des mittleren und nördlichen Bauteils weist eine einheitliche Formensprache auf. Alle Räume zeigen ein aufwendig gestaltetes Mittelfeld mit fast vollplastischen Rocaillen und Blüten- oder Blattranken. Die umlaufenden Stuckprofile sind je nach der Größe der Räume an den Ecken oder zusätzlich in der Mitte der Längswände unterbrochen. Sie gehen in fließenden Übergängen in vollplastische Ranken und Rocaillenfelder über. Dies zeigt deutlich den Formwillen des Rokoko mit der Auflösung der strengeren geometrischen Form in naturalistisch überhöhtes Rankenwerk.
Im Gegensatz zu den gleichartigen Decken im mittleren und nördlichen Teil der Bel Etage zeigt die Decke im südwestlichen Raum ein leicht verändertes Formempfinden. Hier sind die Ranken nicht länger vollplastisch, sondern flacher an die Decke stuckiert. Außerdem lösen sich hier die Profilrahmen der Decke und der so im übrigen Haus nicht zu findenden Medaillons nicht mehr in Rankenwerk auf, sondern bilden geschlossene Formen, die lediglich von wenigen Ranken überformt werden.
Diese Form der Deckenstuckierung weist schon deutlich in eine spätere Zeit, das Biedermeier. Möglicherweise ist diese Decke erst beim Umbau nach 1828 stuckiert worden, in der auch die übrigen Decken des südlichen Bauteils ihre Stuckprofile erhielten.
Durch die vollständige Umgestaltung des Obergeschosses zu Repräsentationsräumen entstand 1770 offensichtlich die Notwendigkeit, zusätzlichen Lagerraum zu schaffen. So wurde nach der Verlängerung des Hauses nach Süden dem Gebäude ein flacheres Speichergeschoss aufgesetzt. Wie eine dendrochronologische Probe zeigte, wurde das gesamte Geschoss ab 1828 vollständig umgebaut. Erst zu diesem Zeitpunkt entstanden die heutigen Trennwände, die alle nur auf die Deckenbalken über den Stuckdecken des Obergeschosses aufgestellt wurden und in keinem Bezug zur Raumstruktur des unteren Geschosses stehen. Aus Teilen anderer Treppen wurde die heutige einläufige Treppe eingebaut. Bauherr war Arnold Meuser, der das Haus 1799 von den Erben Roses erworben hatte und es nun dem Zeitgeschmack des frühen 19. Jahrhunderts anpasste.
Wie die aufwendigeren Stuckprofile an den Decken der Räume im nördlichen Teil zeigen, wurden hier Wohnräume gehobenen Standards eingebaut. Die Räume im mittleren und südlichen Teil wurden zwar auch verputzt, aber nur mit einfachen Stuckvouten versehen und dienten wohl als einfachere Wohnräume möglicherweise für Dienstboten. Alle Flure erhielten eine farbige Fassung in Form unterschiedlich aufwendig gestalteter Rahmen und Begleitstriche, die fast vollständig unter dem heutigen Putz erhalten blieben.
Das Dachwerk besteht aus 16 Vollgespärren mit einer ungewöhnlichen Zählung des Abbundes (Jedes Gespärre erhält auf dem Abbundplatz eine Zahl, damit der Zimmermann weiß, welche Hölzer wohin kommen sollen). So sind alle Balken mit einer Zählung versehen, die am nördlichen Giebel mit I beginnt und an einem Versprung, der den Beginn des südlichen Anbaus markiert, mit X aufhört. Südlich davon beginnt die Zählung neu mit I und endet am südlichen Giebel mit IIII. Trotz dieser Unterschiede in Abbund und Verzimmerung brachte eine dendrochronologische Untersuchung die Erkenntnis, dass das gesamte Dachwerk in einer Bauphase wohl 1769/70 errichtet worden ist.
Die Räucherkammer und die Treppen zum Dachraum und Spitzboden wurden beim Umbau des zweiten Obergeschosses 1828 hier eingebaut. Zu dieser Zeit sind wahrscheinlich auch die Halbwalme entstanden, die auf dem 1776 von Roscher gezeichneten Plan, der das Haus kurz nach der durchgreifenden Renovierung 1770 zeigt, noch nicht vorhanden sind.
Zwar sind noch immer einige Fragen offen, die während eines möglichen Umbaus noch geklärt werden können. Es hat sich jedoch gezeigt, dass das Palais Rose fast vollständig ein Repräsentationsbau des ausgehenden 18. Jahrhunderts mit kleineren Veränderungen aus dem 19. Jahrhundert ist. Die technischen Probleme zu schildern, die diese Umbauten noch heute verursachen, würde den Rahmen sprengen und wird an anderem Ort ausführlich geschehen.
„War Bernhard wirklich der Stadtgründer?", „Sollen wir das Denkmal sprengen?" Mit diesen provokanten Fragen zitierte „Der Patriot" am 14. März 2008 Prof Dr. Jutta Prieur-Pohl, die Herausgeberin eines kurz vorher erschienenen Tagungsbands („Lippe und Livland") mit Forschungsbeiträgen zu den Anfängen des Herrschergeschlechts der Lipper.
Ein „Tabubruch" - oder nicht? Jedenfalls liefert in diesem immer noch hochaktuellen Forschungsband der Herausgeber der zur 800-Jahrfeier Lippstadts 1985 erschienenen Stadtgeschichte, Dr. Wilfried Ehbrecht, mit seinem Beitrag gute Argumente gegen den uns lieb gewordenen Mythos von Lippstadt als ältester Gründungsstadt Westfalens. Auch die Idee von dem Lippstädter Stadtrecht als einem weithin ausstrahlenden Modell für stadtbürgerliche Freiheit sei nicht zu halten. Die Lippstädter müssten sich generell von der Vorstellung eines „Gründungsakts" durch Bernhard II. verabschieden.
Ehbrechts Forschungsanstoß wird der Lippstädter Hermann Großevollmer, Oberstudienrat am Gymnasium St. Xaver in Bad Driburg, in seinem Vortrag am 4.11.2011, 19:00 Uhr im Rathaussaal aufgreifen und nachweisen, dass die lateinische Versvita Bernhards II., „Lippiflorium" genannt und unter der Autorschaft eines in Urkunden des 13. Jahrhunderts erwähnten magister justinus überliefert, immer schon der Dreh- und Angelpunkt unterschiedlichster Auffassungen über die Frühgeschichte Lippstadts war. Das „Lippiflorium" gilt bis dato als mittelalterliche und damit älteste selbstständige Geschichtsschreibung zum Haus Lippe und wird wie ein Steinbruch passagenweise als authentische zeitgenössische Geschichtsquelle ausgewertet.
Erst neuerdings ziehen die meisten Geschichtswissenschaftler seine Glaubwürdigkeit aufgrund überwiegend textexterner Beobachtungen in Zweifel. In seiner Gesamtheit ist das Werk hingegen bisher noch nie mit modernen literatur- und geschichtswissenschaftlichen Methoden interpretiert worden. Hier nun setzt Großevollmer an. Ausgangspunkt seiner Untersuchung ist die Frage nach der „Gebrauchssituation" der „Lippiflorium"-Überlieferung.
Im Rahmen einer Leinwandpräsentation wird der Referent die Lebensbeschreibung Bernhards und die darin enthaltene Erzählung von der Gründung Lippstadts als Legende darstellen und ihre Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart erörtern.