Mitteilungen

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200 Jahre Friedhof Lippstadt - mehr als Steine und Immergrün


Es hat eine lange Weile gedauert, bis die Lippstädter ihren Friedhof eingerichtet hatten. Die Anordnung, die 1799 kam, wurde zunächst wegen anderer und dringenderer Angelegenheiten nicht umgesetzt, zudem gab es viele Skeptiker, die die Aufgabe der gewohnten Bestattungsform auf den Kirchhöfen in der Stadt beibehalten wollten.
1821 wurde dann aber doch der neue Friedhof in Betrieb genommen. Vieles war neu hier und auch anders: Katholiken und Protestanten gleichermaßen wurden hier zur letzten Ruhe gebettet, auf einem Simultanfriedhof, und nicht säuberlich getrennt, wie vermutet. Die einfachen Lippstädter konnten sich nur bescheidene Holzkreuze leisten, die die Zeit nicht überdauerten. Das Uniondenkmal erinnert an die Opfer eines Betriebsunfalls von 1882. Vermögende Lippstädter Familien aber legten Wert auf eine eigene Grabstätte, diese meistens mit Gittern abgetrennt, dazu ein imposantes Grabmal auf dem nicht nur Titel und Namen der Verstorbenen abzulesen waren, sondern die auch mit Symbolen für die Ewigkeit, unverbrüchliche Treue und die Vergänglichkeit der Seele geschmückt wurden.
Die neuen Denkmalformen waren auf dem Friedhof vor der Stadt auch eine Neuerung, hatte es zuvor doch überwiegend Grabplatten für die Gruften auf den Kirchhöfen gegeben, die weniger Spielraum für die Gestaltung boten.
Der Friedhof zeigt uns heute, dass Priester und Lehrer früher hochgeschätzt wurden und entsprechend aussagekräftige Denkmale erhielten. Aber auch Familien drückten immer wieder ihre Dankbarkeit und Trauer auf anrührende Weise aus, z.B. zu lesen auf dem als Urne gestalteten Denkmal für Wilhelmine Epping. "Es ruht die ewig theure Mutter hier, viel ist in dieses Grab verschlossen...“.
Gräber auf dem Friedhof erinnern an Soldaten, an Kriegsopfer, auch an Verschollene sowie an Zwangsarbeiter, die während des Krieges als Verschleppte in Betrieben arbeiten mussten. Zu manchen Gräbern auf dem Friedhof gehört noch ein schlichtes Kreuz an der Unfallstelle, an der der Bestattete zu Tode kam; Trauer braucht manchmal mehr als einen Ort.
Die Symbole auf dem Lippstädter Friedhof sind neben Sternen und dem Kranz auch Mohnkapseln, die für den ewigen Schlaf stehen, hier sind noch einige Gitter mit dieser Ornamentik erhalten.
Eine Reihe von Grabsteinen ist inzwischen in der Obhut der Stadt, die diese denkmalwürdigen Steine dann auch, wenn nötig behutsam restaurieren lässt. Inzwischen ist die Mauer rundum fast komplett erneuert, viele alten Grabplatten sind stabilisiert und gereinigt wieder dort angebracht worden. Die Mischung aus alten Denkmalen und neuen Gräbern ist in Lippstadt auf dem Hauptfriedhof immer noch anzutreffen, damit bleibt er ein Ort der Trauer und zugleich ein Ort, an dem sich Lippstädter mit der Geschichte ihrer Stadt und den Besonderheiten von Friedhofskultur auseinandersetzen können.
Der Friedhof war dem Heimatbund so wichtig, dass er als eigener Punkt im Gründungskonzept von 1921 auftaucht. Die Inventarisierung, an der 2005 viele Heimatbundmitglieder mithalfen, erweiterte die Informationsbasis und hilft unserem Verein dabei, auf Anfragen zu Gräbern und Lippstädter Familien auch reagieren zu können. Der alte Teil des Hauptfriedhofs ist auch als Objekt einer Unterschutzstellung als Denkmal im Gespräch. Die neueren Teile sind stadtgeschichtlich interessant, weil sich dort neuere Formen der Friedhofskultur zeigen und auch neue Formen der Pflegedienstleistungen zu finden sind, die dem veränderten Verhältnis zur Friedhofspflege Rechnung tragen. Friedhof ist weiter ein spannendes Thema, wie auch auf dem Spaziergang über den alten Friedhof deutlich werden wird.
Marlies Wigge

„Museums AG“

Lippstadt fehlt ein repräsentatives Museum! Die eindrucksvolle städtische Geschichte und ihre überregional interessante kulturhistorische Position benötigen eine zeigbare „Heimat“ in der Stadt. Unser jetziges Stadtmuseum (das Gebäude selbst ist schon wertvolles museales Objekt) und die bisher existierenden Ausstellungsmöglichkeiten sind schon lange in „die Jahre“ gekommen. Sie bedürfen der Instandsetzung, Generalüberholung und Erweiterung. Der Heimatbund, zusammen mit dem Förderverein des Museums, fordert deshalb schon länger von Politik und Verwaltungsspitze mehr unterstützende Aufmerksamkeit und Engagement, um Lippstadt endlich eine zukunftstaugliche und stadtförderliche Museumskultur zu ermöglichen. Mit dem politisch konfliktreichen, nun aber begonnenen Bau eines modernen Museumsdepots im industriehistorisch wichtigen Gebäudekomplex der ehemaligen WMI konnte 2020 endlich eine positive Entwicklung in Richtung anspruchsvolle Museumsstruktur gestartet werden.

Zur weiteren Museumsentwicklung haben in diesem Jahr der Heimatbund, der Förderverein des Museums sowie der Lippstädter Kulturrat eine gemeinsame Arbeitsgruppe, die „Museums AG“, gebildet. Die AG setzt sich aus Mitgliedern der drei Vereine zusammen, ergänzt durch die Leiterin des Museums, Frau Dr. Schönebeck. Ziele der Arbeitsgruppe umfassen die museumsbezogene inhaltliche Planungsunterstützung für die Stadt, den Einbezug bürgernaher Anregungen und einen effektiven Informationsfluss zwischen den Vereinen und den städtischen und politischen Instanzen.
Aufbauend auf bereits bestehenden Planungsüberlegungen von Museumsleitung und städtischem Fachdienst Kultur, diskutierte die Museums AG in sieben Sitzungen Gesichtspunkte für den weiteren Entwicklungsprozess. Dabei wurden Empfehlungen und Handlungsvorschläge für die Vereine erarbeitet. Der aktuell empfohlene Planungsentwurf für eine zukünftige Museumsstruktur umfasst einen stadtgeschichtlichen Zentralstandort im jetzigen Stadtmuseum mit einer Bauerweiterung sowie einem Nebenstandort angegliedert an das Museumsdepot in der Hospitalstraße. Thematischer Schwerpunkt soll dort Lippstadts bemerkenswerte Industriegeschichte und darin eingebettet auch eine Gedenk- und Bildungsstätte am ehemaligen KZ-Standort zum Nazi-Terror sowie Widerstand in unserer Stadt sein.

Wichtiger Hinweis dazu:
Der Heimatbund plant eine detaillierte Darstellung der Museumsüberlegungen und Arbeit der Museums AG in einem öffentlichen Kulturgespräch. Dieses sollte ursprünglich am 03. Dezember 2020 unter dem Titel "Lippstadts Lampenbude - Industriegeschichte erleuchtet Stadtkultur" stattfinden. Durch die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Pandemie muss dieses leider auf 2021 verschoben werden. Ein neuer Termin und die inhaltlichen Details werden dann in der Tagespresse und ggf. im nächsten Mitteilungsblatt angekündigt.

Tag der offenen Tür in der ehemaligen Synagoge Lippstadt am 20.09.2020

Nach einem Eigentümerwechsel wurde die Synagoge erstmals nach 80 Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Initiator der Veranstaltung waren der Eigentümer Ulrich Bender, der Künstler und Kurator Dirk Raulf sowie der Historiker Professor Jürgen Overhoff. Dieser Tag fand im Rahmen des Projektes „heimat-kunden.de“ statt.

Der Tag der offenen Tür in der Synagoge in Lippstadt wurde dabei bewusst auf den 20. September gelegt, da zu dieser Zeit das jüdische Neujahr (Rosh Hashanah) gefeiert wurde (18. - 20. September 2020). Es wurden Karten in der Stadtinfo ausgegeben, da pro Veranstaltung nur 20 Personen in die Synagoge durften. Die Karten waren sehr schnell vergeben. Aus diesem Grund fand am 8. November 2020 eine Wiederholung statt, in etwas abgewandelter Form (dieses Datum wurde gewählt wegen der Pogromnacht am 9. November).

Nach den Eröffnungsansprachen auf der Stiftsstraße durch die Veranstalter sowie Bürgermeister Sommer – bei der auch ein Grußwort vom Lippstädter Holocaust-Überlebenden Georg Levy (jetzt George Levy Mueller) verlesen wurde - fanden stündlich verschiedene Aufführungen von ca. 15 - 20 Minuten statt:
-Musik jüdischer Komponisten (George Gershwin, Leonard Cohen),
-Texte jüdischer Autoren (David Gans, Jenny Aloni),
-ein Bericht über Zwangsarbeiterinnen in Lippstadt.

Begleitet wurde das Ganze von einer kleinen Ausstellung über die Geschichte der Synagoge und der jüdischen Gemeinde, die in sehr kurzer Zeit von Frau Dr. Schönebeck zusammengestellt wurde. Nach den Aufführungen wurden Führungen durch die Synagoge seitens der Stadtführer Barbara Birkert und Josef Mackenberg angeboten, die ursprünglich nur 15 - 20 Minuten dauern sollten, aber wegen der regen Rückfragen der interessierten Gäste doch 30 - 40 Minuten umfassten. Insgesamt dürfte die Teilnehmerzahl bei 160 – 180 gelegen haben.

Die kleine Ausstellung aus der Synagoge war anschließend für kurze Zeit in der Rathausgalerie zu sehen. Diese Ausstellung soll aber noch wachsen, es waren auch schon entsprechende Aufrufe in der Tageszeitung. Wenn sich noch weitere Objekte aus Privatbesitz finden ist eine Wiederholung der Ausstellung geplant.

Vorstellung des neuen Beiratsmitglieds Jörg Rosenthal

Liebe Heimatfreundinnen, liebe Heimatfreunde,

da ich in diesem Jahr in den Beirat des Heimatbunds aufgenommen wurde, möchte ich mich gerne kurz vorstellen: Ich bin 1972 in Lippstadt geboren, im Lippstädter Süden aufgewachsen und habe 1991 in Overhagen das Abitur gemacht. Nach Handelsschule und kaufmännischer Berufsausbildung habe ich mich als Software-Entwickler selbständig gemacht und ein paar Jahre lang in Bielefeld und am Möhnesee gelebt.

Mein Interesse an der Geschichte Lippstadts begann jedoch erst, nachdem ich im Alter von 42 Jahren wieder nach Lippstadt gezogen bin. Über die Heimatbund-Bücher "Lippstädter Spuren" fand ich schließlich zum Heimatbund und wurde Mitglied.

2015 legte ich in Facebook eine Seite namens "Historisches Lippstadt" an, wo alte Fotos und auch neue, eigene Aufnahmen aus Lippstadt hochgeladen (gemeinsam "geteilt") und kommentiert werden können. Dort fanden sich schnell zahlreiche Interessenten zusammen. Derzeit gucken regelmäßig über 4.000 Lippstädter Facebook-Nutzer (größtenteils im Alter zwischen 30 und Mitte 40) nach Informationen zu Lippstadts Geschichte.

Etliche jüngere Internet-Nutzer haben kein Tageszeitung-Abo und besitzen auch nicht die Lippstadt-Bücher, die in den vorherigen Jahrzehnten erschienen waren. Auch ist der Heimatbund den Jüngeren kaum bekannt. Deshalb kam mir die Idee, die Aktivitäten des Heimatbunds (Stadtspaziergänge, Radtouren, Vorträge und die Spuren-Hefte) auch den Nutzern meiner Facebook-Gruppe regelmäßig bekannt zu machen. Ich würde mich freuen, wenn die jüngere Generation auf diese Weise auch Anschluss an die Aktivitäten des Heimatbunds finden würde.

Beste Grüße von Jörg Rosenthal

 

Schreibaufruf

Mein Tag in der Corona-Krise
Ein wissenschaftliches Projekt des Stadtmuseums Lippstadt in Anlehnung an Sammlungsaufrufe der Volkskundlichen Kommission für Westfalen und des Seminars für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Münster
(Formulierungen werden - sofern möglich - aufgrund der wiss. Vergleichbarkeit der Erhebung teilweise wörtlich einer Erhebung von 2005 entnommen und für den aktuellen Fall ergänzt bzw. präzisiert)
Das Stadtmuseum Lippstadt sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt die Geschichte der Menschen vor Ort. Es geht um Ihren Alltag, Ihre Erlebnisse und Strategien, das Leben zu gestalten, Ihre Gefühle und Gedanken. Anlässlich der Ereignisse um die Corona-Krise mit ihren neuen Verhaltensregeln, die uns alle in unserem Alltag betreffen, bitten wir um Mithilfe. Wir möchten einen Tag in Ihrem Leben in dieser Krise für später, für nachfolgende Generationen festhalten.
Mitmachen kann jeder: jung oder alt, Mann oder Frau, Stadt- oder Landbewohner. Ob Sie in Deutschland oder an einem anderen Ort in der Welt geboren sind, ob Sie an einer Universität oder in einem Supermarkt arbeiten, ob Sie noch in der Ausbildung, pensioniert oder gerade arbeitslos sind - wir interessieren uns für Sie und Ihre Kinder und Ihre Erlebnisse an einem Tag in der Corona-Krise.
Geschichten aus dem Alltag
Wir sammeln Ihre Geschichten aus dem Alltag und machen die Corona-Krise damit zu einem historischen Ereignis. Sie haben die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben!
Erzählen Sie uns, wie Ihr Alltag allein und mit anderen aussieht: Wer hat Sie geweckt? Wo und was haben Sie gefrühstückt? Hat es Ihnen geschmeckt? Wie haben Sie auf das Wetter reagiert? Wie war Ihr Arbeitstag?
Was hat Sie beschäftigt - Gedanken, Ängste, Hoffnungen, Zuversicht? Was hat sich verändert in der Corona-Krise? Was planen Sie für die Zukunft?
Manche Menschen werden jede Stunde genau protokollieren, was sie getan und gefühlt haben; andere werden nur über die wichtigsten Abschnitte des Tages berichten. Sie entscheiden selbst, was Sie mitteilen möchten. Die Länge des Briefes spielt keine Rolle, auch nicht, ob er handgeschrieben oder getippt ist oder ob er vielleicht Rechtschreibfehler enthält.
Warum wollen wir das alles von Ihnen wissen?
Alles, was nicht in den Geschichtsbüchern steht, ist oft nach einer Generation vergessen. So wissen wir schon heute nicht mehr genau, wie der Alltag vor 50 Jahren aussah.
Von der Corona-Krise werden Geschichtsbücher berichten, aber wenn wir heute nicht genau aufschreiben, was jeder von uns erlebt, fühlt und denkt, dann werden nachfolgende Generationen diese Krise nicht verstehen.
Deshalb fragen wir SIE heute, wie SIE Ihren Alltag gestalten. Schreiben Sie über einen spezifischen Tag in der Corona-Krise und erzählen Sie den Menschen in der Zukunft von Ihrem Leben. Schreiben Sie Geschichte! Helfen Sie uns, ein Archiv für die Zukunft anzulegen. Kein Detail ist dabei unwichtig.
Was sollte in Ihrem Brief unbedingt stehen?
Damit wir Ihre Geschichten einordnen können, benötigen wir einige Informationen über Sie. Bitte teilen Sie uns in Ihrem Brief unbedingt mit:
•Ihr Geschlecht
•Ihr Geburtsjahr
•Ihren Geburtsort
•Ihren Wohnort
•die Anzahl und das Alter Ihrer momentanen Mitbewohner
•Ihren Beruf
•das Datum Ihres ausgewählten Tages während der Corona-Krise
Sie entscheiden, ob Sie Ihre Geschichte mit Ihrem Namen unterzeichnen oder nicht. Ihre Geschichte schicken Sie uns in einem verschlossenen Umschlag zu. Sie entscheiden, wann der Umschlag für wissenschaftliche Zwecke geöffnet und ausgewertet werden soll: Entweder nach 2 Jahren oder nach 50 Jahren.
Schreiben Sie oben links eine "50" auf den Umschlag, dann wird er erst in 50 Jahren geöffnet.
Warum überlassen wir allein Ihnen, was Sie schreiben möchten?
Warum schicken wir Ihnen keinen Fragebogen darüber, was wir wissen wollen? Ganz einfach: Wir möchten Sie nicht einschränken, weil wir Ihnen genau zuhören wollen. Wir wissen nicht, welche Themen Ihnen gerade am Herzen liegen und auch nicht, was für nachfolgende Generationen an Ihrer Schilderung Ihres Alltags in dieser Corona-Krise wichtig sein wird.
Kann man außer Texten noch etwas mitschicken?
Ja! Auch Fotos von "Ihrem" Tag interessieren uns, Zeichnungen, Belege, alles, was flach und aus Papier ist, können wir archivieren.
Was passiert mit Ihrem Brief?
Alle Briefe werden in den Magazinbereichen des Stadtmuseums Lippstadt in der Rathausstraße, später im Depot des Stadtmuseums für die Zukunft aufbewahrt.
Wohin mit den Briefen?
Ihren Brief schicken Sie uns bitte an das


Stadtmuseum Lippstadt
Rathausstraße 13
59555 Lippstadt

Stichwort/Betreff: „Mein Tag“

- oder werfen Sie ihn einfach in unseren Hausbriefkasten, Rathausstraße 13.

Falls Sie Ihren Bericht per Email zusenden möchten, machen wir Sie darauf aufmerksam, dass wir Ihre Email ausdrucken und dann in Papierform archivieren. Hierfür nutzen Sie bitte die Email-Adresse:
stadtmuseum@stadt-lippstadt.de

Ansprechpartner:
Dr. Christine Schönebeck
Stadtmuseum Lippstadt
Rathausstraße 13
59555 Lippstadt

Dr. Christine Schönebeck, Leiterin Stadtmuseum Lippstadt

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