Mitteilungen

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Vorstellung: Unser neues Beiratsmitglied Manuela Gamann

Liebe Mitglieder des Heimatbund Lippstadt, gerne stelle ich mich Ihnen als neues Beiratsmitglied im Lippstädter Heimatbund vor. Mein Name ist Manuela Gamann, geboren in Lippstadt, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Mitglied im Heimatbund bin ich seit nunmehr 11 Jahren und genauso lange, mit viel Herzblut, Stadtführerin in Lippstadt. Mitgewirkt habe ich auch im „Arbeitskreis Frauengeschichte“, an dem Buch „Frauenleben in Lippstadt – Ein Lesebuch“, erschienen im November 2010 in der Schriftreihe des Heimatbundes Lippstadt „Lippstädter Spuren“. Des Weiteren habe ich
das Buch „Lippstadt – Stadtführer für Neugierige“ geschrieben, welches 2015 veröffentlicht wurde. Einige von Ihnen kennen mich vielleicht auch aus der Zeit, als ich für die KWL in der Kulturinformation im historischen Rathaus tätig war. Einblicke in politische Strukturen konnte ich in den vergangenen acht Jahren bei meiner Tätigkeit als Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten für den Kreis Soest und als Mitglied im Gleichstellungsbeirat der Stadt Lippstadt sammeln. Aus Verbundenheit zu meiner Geburtsstadt engagiere ich mich sehr gerne für die Weitergabe von geschichtlichem Wissen und den Erhalt von Natur-, Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Lippstadt für kommende Generationen. Es ehrt mich sehr, Teil des Beirats des Lippstädter Heimatbundes sein zu dürfen und ich freue mich auf viele wertvolle Begegnungen und spannende Momente.
Herzlichst Ihre Manuela Gamann

 

Vorstellung: Unser neues Beiratsmitglied Annette Schoop

Einige von Ihnen haben Frau Annette Schoop, unser jüngster Zugang im Beirat, schon in voller Aktion erlebt. Sie organisierte und führte die Tour „Burgenzauber und Blaudruckerkunst“, die Tagesfahrt des Heimatbundes nach Lüdinghausen im Kreis Coesfeld am Samstag, 12. Oktober 2024. Doch lassen wir Frau Schoop selbst zu Wort kommen:
„Liebe Mitglieder des Lippstädter Heimatbundes, seit einigen Monaten bin ich neu im Beirat und möchte mich deshalb kurz vorstellen:
Ich bin in Lippstadt geboren und habe bis zu meinem Abitur an der Marienschule hier gelebt. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte an den Universitäten Köln und Münster bin ich aus beruflichen und privaten Gründen nach Hagen in Westfalen gezogen. Mehr als 30 Jahre habe ich dort an einem Gymnasium die Fächer Deutsch und - hauptsächlich - Geschichte unterrichtet. Bei der Zertifizierung zur Europa Schule habe ich die Ausgestaltung des Fortbildungsprogramms übernommen und zahlreiche Exkursionen zu Orten von historischer Bedeutung durchgeführt. Diese Erfahrungen möchte ich nun, nachdem ich im Ruhestand bin und wieder in Lippstadt lebe, gerne in die Arbeit des Heimatbundes einbringen. Ich bin dort sehr freundlich aufgenommen worden und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit vielen engagierten Lippstädter Bürgerinnen und Bürgern.“

 

Vorwort Mitteilungen Oktober 2024

Liebe Mitglieder,
wenn Sie demnächst beim Markt der Möglichkeiten oder bei einem Vortrag die
Schriftzeichen und Bilder der Umschlagseite sehen, dann wissen Sie: hier gibt es ein
Angebot des Heimatbundes. Wir möchten Ihnen die beiden just erworbenen
Aufsteller oder "roll-ups" unseres Vereins, die nach dem Westermann-Symposium
und ihrer Premiere nun gut verstaut auf ihre Einsätze warten, natürlich nicht
vorenthalten und hoffen, dass damit die Präsenz des Heimatbundes gleich viel
besser bemerkt werden wird. Wir können uns nach erfolgreicher Durchführung des
Westermann-Symposiums und der entsprechenden positiven Resonanz derzeit nicht
über mangelnde Präsenz beklagen, auch die sehr gut besuchten Stadtspaziergänge
zum Thema 50 Jahre Fußgängerzone zeigen, dass die LippstädterInnen an der
älteren und neueren Geschichte ihrer Stadt sehr interessiert sind.
An den Bereichen "bewahren, vermitteln und gestalten" arbeiten wir seit Jahren in
enger Abstimmung mit anderen Kulturinteressierten. Hier zeigt sich, dass da keine
Kurzstreckenfitness, sondern schon fast Marathonkondition gefragt ist, wenn es um
die Gestaltung der Innenstadt und besonders die Pläne zur Erweiterung des
Stadtmuseums geht. Mit vielen LippstädterInnen erwarten wir, dass in den
Entscheidungsgremien die Sache der Kultur und das Bewahren und Entwickeln von
Museumsgut ernst genommen wird.
Die positive Resonanz in dem einen Aktivitätsfeld ist für uns Ansporn, auch in den
anderen Bereichen nicht nachzulassen. Symposium und das Jubiläum der
Fußgängerzone sind wichtige Teilbereiche, deren Inhalte den Menschen in Lippstadt
ein kulturelles Angebot machen sollten. Mehr davon finden Sie in diesem
Mitteilungsheft, das gerne auch geteilt und weitergegeben werden kann, damit
demnächst noch mehr LippstädterInnen beim Anblick unserer Aufsteller sich ein
Angebot machen lassen. Also, für die nächste Zeit: darf´s ein bisschen mehr sein?
Mit herzlichen Grüßen
Marlies Wigge

 

Museumsdepot eröffnet

Es ist geschafft: Das Museums-Depot ist als erster Baustein einer besucherfreundlichen Neukonzeption des Stadtmuseums Lippstadt fertiggestellt. Am 24. April 2023 fand die symbolische Schlüsselübergabe an die Museumsleiterin Dr. Christine Schönebeck im Rahmen eines Besuchs von Landesdirektor Dr. Georg Lunemann, der LWL-Museumsamtsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus und der für das Museum in Lippstadt zuständigen Gebietsreferentin Dr. Ute Koch statt.
Zu den geladenen Gästen gehörten auch Vertreter von Heimatbund, Kulturrat und dem Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums. Die Dankesworte sprach Bürgermeister Arne Moritz.
Das LWL-Museumsamt hat die Unternehmungen zur Neukonzeption der Museumsarbeit in Lippstadt von Beginn an beratend und durch finanzielle Förderung unterstützt. So wurden zahlreiche Inventarisierungsmaßnahmen von externen Wissenschaftler*innen, das online-Stellen von Objekt-Daten auf der Plattform Museum-digital/Westfalen sowie externe Restaurierungsmaßnahmen finanziell gefördert. Nun galt der Dank der finanziellen Förderung des LWL von insgesamt rund 376.000 Euro für die Ertüchtigung und Einrichtung des ehemaligen Betriebsgebäudes der Westfälischen Metallindustrie AG (WMI) als Depot, für die der Rat der Stadt Lippstadt rund 1,6 Millionen Euro bereit gestellt hatte.
Landesdirektor Dr. Lunemann zeigte sich begeistert von der Tatsache, dass das Depot in einem historischen Gebäude eingerichtet wurde. Museumsleiterin Dr. Schönebeck erinnerte an das glückliche Zusammenfallen zweier Anliegen: Die Verwaltung suchte nach einem geeigneten Grundstück bzw. einem geeigneten Bestandsgebäude für ein neues Depot und die Zukunft des sogenannten „Hella-Ensembles“ an der Hospitalstraße geriet, maßgeblich durch das Engagement des Heimatbundes, in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. In der Folge hat der Rat der Stadt Lippstadt am 9. April 2018 beschlossen, die ehemaligen Betriebsgebäude der WMI in der Hospitalstraße 44-46a als erhaltenswerte Bausubstanz nachrichtlich aufzunehmen. Nach Ratsbeschluss vom 9. Juli wurde am 12. Juli 2018 ein entsprechender Förderantrag zur Ertüchtigung als Depot beim LWL-Museumsamt gestellt.
Das Depotgebäude hat Geschichte. Im Volksmund hieß es „Lampenbude“. Hier hat Sally Windmüller nach Erhalt der Baugenehmigung vom 5. September 1895 seine erste Blechpresse errichtet. Eine hochspannende Geschichte zum jüdischen Leben in Lippstadt: Windmüller hatte die jüdische Elementarschule besucht, von seinem Vater übernahm er mit 18 einen Heuhandel und legte mit der Produktion von Fahrrad- und Kutschenlampen sowie Signalhörnern den Grund für die neue Geschäftsidee: den Autoscheinwerfer.
Das Gebäude ist auch Zeuge der nationalsozialistischen Vergangenheit. Es geht um das Jahr 1944. Der Krieg, den der NS-Staat angezettelt hatte, dauerte unerwartet an, für die Produktion von Kriegsgerät fehlten Arbeitskräfte. Ein Außenlagersystem wurde zentral aufgebaut, durch das zuletzt auch KZ-Häftlinge an die Produktionsstätten gebracht wurden. Die Selektion an der Rampe in Auschwitz sorgte dafür, dass Züge mit arbeitsfähigen jüdischen KZ-Häftlingen in den Westen fuhren. An der Hospitalstraße entstand das SS-Außenkommando Lippstadt II. Am 20. November 1944 kamen 250 Frauen an, im Februar 1945 waren 330 Frauen vor Ort eingesperrt. Es waren sehr junge Frauen, auch Schülerinnen waren darunter. Schneiderin ist der Beruf, der am häufigsten in der Häftlingsliste erscheint. Die Frauen wurden von der WMI angelernt, um Höhenmesser für Flugzeuge zu bauen. Im Erdgeschoss wurde geschlafen, darüber in zwei Schichten a 12 Stunden produziert und montiert. Vor Kriegsende wurde die Belegschaft in Marsch gesetzt und schließlich bei Pirna von sowjetischen Truppen befreit.
Ein Ort des Gedenkens sollte in der Hospitalstraße auf jeden Fall geschaffen werden. Es geht dabei nicht um das Anbringen eines Mediums knapper Sachinformation, wie etwa eine Texttafel, sondern um einen Ort, der intensivere Beschäftigung ermöglicht und eine emotionale Ansprache erlaubt. Die Nachnutzung eines weiteren Gebäudeteils im Ensemble wäre bedenkenswert, oder auch die Schaffung eines Garten des Gedenkens im angrenzenden Gelände. Krieg und Kriegswirtschaft, die Folgen diktatorischer Regimes, - das sind Themen mit neuer, unerwarteter Gegenwartsrelevanz.
Nicht zuletzt verweist das Depotgebäude auf Migrationsgeschichten unserer jüngeren bundesrepublikanischen Vergangenheit. Ein paar Stichwörter zu einer Geschichte, die erst noch recherchiert und mit Zeitzeugen aufzuarbeiten ist: Hier war das von der Hella für die ersten Gastarbeiter eingerichtete Wohnheim für Männer. Dann entstand hier das Auffanglager für Aus- und Übersiedler, insbesondere für Russlanddeutsche und noch vor 2015 waren alleinstehende asylsuchende Männer, hauptsächlich Afrikaner, hier untergebracht.
Die Trennwände, die zu Wohnzwecken eingezogen worden waren, sind für die Depotnutzung wieder ausgebaut worden. Der Aufzugsschacht und das große Treppenhaus aus den Zeiten der industriellen Nutzung sowie großzügigen Deckenhöhen waren für die Ertüchtigung als Depot ideale Voraussetzungen.
Nun sind im ersten Geschoss die Büros untergebracht und ein Depotbereich für anorganisches Material, wie Metalle, und für die Neuzugänge. Diese kommen sicher in einer überdachten Anlieferung an, gelangen dann in die Werkstatt der Restauratorin. Hier kann die Erstversorgung und Reinigung stattfinden, dann werden die Exponate beobachtet und wissenschaftlich dokumentiert. Im ersten Obergeschoss gibt es ausgewiesene Bereiche für die einzelnen Sammlungsteile, wie Textilien, Fächer, Spielzeug, Kunst etc. Die Regale sind passgenau für die Lagerung der Exponate eingerichtet. So gibt es Weitspannregale für die nach Maß angefertigten Kartons für Kleider und eine Gemäldezuganlage, an deren Gitterwände die Gemälde platzsparend und sicher hängen können. Da im ersten Obergeschoss Mischmaterialien und organische Materialien lagern, ist äußerste Vorsicht geboten. Regelmäßig muss der gesamte Bereich auf Schädlingsbefall hin kontrolliert werden. Das zweite Obergeschoss ist für die Lagerung der Dauerausstellung aus der Rathausstraße vorgesehen. Ab 27. Mai wird hier einmalig eine Sonderausstellung zu sehen sein. Der in Lippstadt geborene Claus Richter zeigt Installationen unter dem Titel „Lippstadt“. Derweil können bereits die Exponate aus anorganischem Material ins Erdgeschoss einziehen. Das Museumsgebäude in der Rathausstraße 13 kann leergeräumt und saniert werden.
Dr. Christine Schönebeck

200 Jahre Friedhof Lippstadt - mehr als Steine und Immergrün


Es hat eine lange Weile gedauert, bis die Lippstädter ihren Friedhof eingerichtet hatten. Die Anordnung, die 1799 kam, wurde zunächst wegen anderer und dringenderer Angelegenheiten nicht umgesetzt, zudem gab es viele Skeptiker, die die Aufgabe der gewohnten Bestattungsform auf den Kirchhöfen in der Stadt beibehalten wollten.
1821 wurde dann aber doch der neue Friedhof in Betrieb genommen. Vieles war neu hier und auch anders: Katholiken und Protestanten gleichermaßen wurden hier zur letzten Ruhe gebettet, auf einem Simultanfriedhof, und nicht säuberlich getrennt, wie vermutet. Die einfachen Lippstädter konnten sich nur bescheidene Holzkreuze leisten, die die Zeit nicht überdauerten. Das Uniondenkmal erinnert an die Opfer eines Betriebsunfalls von 1882. Vermögende Lippstädter Familien aber legten Wert auf eine eigene Grabstätte, diese meistens mit Gittern abgetrennt, dazu ein imposantes Grabmal auf dem nicht nur Titel und Namen der Verstorbenen abzulesen waren, sondern die auch mit Symbolen für die Ewigkeit, unverbrüchliche Treue und die Vergänglichkeit der Seele geschmückt wurden.
Die neuen Denkmalformen waren auf dem Friedhof vor der Stadt auch eine Neuerung, hatte es zuvor doch überwiegend Grabplatten für die Gruften auf den Kirchhöfen gegeben, die weniger Spielraum für die Gestaltung boten.
Der Friedhof zeigt uns heute, dass Priester und Lehrer früher hochgeschätzt wurden und entsprechend aussagekräftige Denkmale erhielten. Aber auch Familien drückten immer wieder ihre Dankbarkeit und Trauer auf anrührende Weise aus, z.B. zu lesen auf dem als Urne gestalteten Denkmal für Wilhelmine Epping. "Es ruht die ewig theure Mutter hier, viel ist in dieses Grab verschlossen...“.
Gräber auf dem Friedhof erinnern an Soldaten, an Kriegsopfer, auch an Verschollene sowie an Zwangsarbeiter, die während des Krieges als Verschleppte in Betrieben arbeiten mussten. Zu manchen Gräbern auf dem Friedhof gehört noch ein schlichtes Kreuz an der Unfallstelle, an der der Bestattete zu Tode kam; Trauer braucht manchmal mehr als einen Ort.
Die Symbole auf dem Lippstädter Friedhof sind neben Sternen und dem Kranz auch Mohnkapseln, die für den ewigen Schlaf stehen, hier sind noch einige Gitter mit dieser Ornamentik erhalten.
Eine Reihe von Grabsteinen ist inzwischen in der Obhut der Stadt, die diese denkmalwürdigen Steine dann auch, wenn nötig behutsam restaurieren lässt. Inzwischen ist die Mauer rundum fast komplett erneuert, viele alten Grabplatten sind stabilisiert und gereinigt wieder dort angebracht worden. Die Mischung aus alten Denkmalen und neuen Gräbern ist in Lippstadt auf dem Hauptfriedhof immer noch anzutreffen, damit bleibt er ein Ort der Trauer und zugleich ein Ort, an dem sich Lippstädter mit der Geschichte ihrer Stadt und den Besonderheiten von Friedhofskultur auseinandersetzen können.
Der Friedhof war dem Heimatbund so wichtig, dass er als eigener Punkt im Gründungskonzept von 1921 auftaucht. Die Inventarisierung, an der 2005 viele Heimatbundmitglieder mithalfen, erweiterte die Informationsbasis und hilft unserem Verein dabei, auf Anfragen zu Gräbern und Lippstädter Familien auch reagieren zu können. Der alte Teil des Hauptfriedhofs ist auch als Objekt einer Unterschutzstellung als Denkmal im Gespräch. Die neueren Teile sind stadtgeschichtlich interessant, weil sich dort neuere Formen der Friedhofskultur zeigen und auch neue Formen der Pflegedienstleistungen zu finden sind, die dem veränderten Verhältnis zur Friedhofspflege Rechnung tragen. Friedhof ist weiter ein spannendes Thema, wie auch auf dem Spaziergang über den alten Friedhof deutlich werden wird.
Marlies Wigge

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