Mitteilungen

4
5
6
7
8
9
10

Aktuelles

In Lippstadt werden im Bereich der südlichen und westlichen Altstadt Neubauprojekte geplant, die auch den Heimatbund beschäftigten. Wir haben uns über die Pläne rund um den alten Güterbahnhof informiert und das Gespräch mit den städtischen Planern sowie den Vertretern der neuen Initiative "Lebendiges Lippstadt" gesucht.

Die Umnutzung der Flächen am Frachtbahnhof wird die Stadt im südlichen Bereich des alten Stadtkerns mit dem Aufbruch des Südertors stark verändern. Wir haben im Gespräch mit den Planern unsere Bedenken deutlich gemacht und hoffen, dass die neueste Variante der Projektplanung noch verbessert werden kann, um eine Anbindung an die Innenstadt zu erreichen.

Der Schutz bestehender alter und interessanter Bausubstanz ist ein Dauerthema, dem sich der Heimatbund seit Jahrzehnten mit Energie widmet. Das Haus Henke, Cappelstraße 32, sollte nach dem Wunsch vieler Lippstädter erhalten werden. Wir hoffen, dass der Projektplaner für das Bauprojekt am alten Minipreis-Laden die Fassade erfolgreich integrieren kann.

Um Fassaden, Werbeflächen, geschäftliche Notwendigkeiten und den Schutz der Altstadt von Lippstadt ging es auch in den Beratungen des Arbeitskreises Gestaltungssatzung, der auf Einladung der Stadt seit dem Frühsommer 2007 besteht. Beim Gang durch die Innenstadt mit dieser Arbeitsgruppe wurde deutlich, wie notwendig eine solche Gestaltungssatzung ist, um moderne Werbetechnik und Präsentation mit alter Bausubstanz zu vereinbaren. Es gibt in Lippstadt einige Beispiele erfolgreicher Umsetzung der Empfehlungen der städtischen Denkmalschützer und Planer.

Ein berühmter Prager Gelehrter ist ein Lippstädter

Auf unserer Studienfahrt nach Prag sind noch Plätze frei.

Der Heimatbund bietet in diesem Jahr eine außergewöhnliche Studienreise nach Prag an. Dabei wird uns David Gans begleiten, ein Lippstädter, der im 16. Jh. nach Prag zog.

Wer war dieser Mann, der in Prag bis heute hoch verehrt wird? Den Namen David Gans kennen die meisten Lippstädter allenfalls als Straßennamen. Dass sich dahinter eine bekannte Persönlichkeit verbirgt, die noch dazu aus Lippstadt stammt, das wissen nur die allerwenigsten.

1541 wurde David Gans in Lippstadt geboren. Nach dem Studium ging er nach Prag. Prag war damals das kulturelle und geistige Zentrum Mitteleuropas. Rudolf II. von Habsburg hatte dort einen der glänzendsten Renaissancehöfe Europas aufgebaut. Gans wurde Schüler des berühmten Rabbi Löw, um den sich bis heute viele Legenden ranken. Die eigentlichen Interessenfelder von David Gans lagen aber in der Mathematik, Geographie, Astronomie und Geschichte. Er stand in engem Kontakt mit führenden Wissenschaftlern seiner Zeit, z.B. mit den Astronomen Johannes Kepler und Tycho de Brahe. Am bekanntesten wurde seine Weltchronik. Spannend lesen sich darin u.a. seine Urteile über die Reformation und die Religionskriege. David Gans starb 1613 in Prag.

Die Studienreise nach Prag nimmt den 70. Jahrestag der Zerstörung der Lippstädter Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 und die Ermordung von Lippstädter Juden in den darauffolgenden Jahren durch die Nationalsozialisten zum Anlass. In Theresienstadt möchten wir insbesondere der Lippstädter Juden gedenken, die dorthin deportiert wurden. Es handelt sich um ungefähr 12 Personen.

Lippstädter Schüler und interessierte Lippstädter Bürger werden angeregt, eine Patenschaft zu einer Person zu übernehmen. Dabei wird versucht, möglichst viel über das Leben dieser Person herausfinden. Hilfe bei den Recherchen bietet das Stadtarchiv an. Solch eine Gedenkurkunde umfasst einen kleinen Lebenslauf mit allen Informationen, die im Laufe der Patenschaft über die Person zusammengetragen werden konnten. Die Gedenkurkunden werden individuell verfasst und tragen somit die persönliche Note des jeweiligen Paten. Für den Paten bietet die Erarbeitung einer Gedenkurkunde eine gute Gelegenheit, anhand von persönlichen Schicksalen mehr über die Geschichte Lippstadts in der NS-Zeit zu erfahren. Diese Gedenkurkunden möchten wir während unseres Besuches offiziell der Gedenkstätte Theresienstadt übergeben. Zum 9. November sollen die Gedenkurkunden auch der Lippstädter Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Reiseleitung übernimmt Barbara Birkert aus Lippstadt und Mitglied des Heimatbundes. Als Kunsthistorikerin und Judaistin erarbeitet sie seit mehreren Jahren für verschiedene Bildungsträger Studienreisen zu besonderen Themen.

Vortrag David Gans

Anfang September wird Dr. Michael Heinzmann, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München, in einem öffentlichen Vortrag in Leben und Werk von David Gans einführen.

Programm der PRAG-Reise (20.-24. September 2008)

Auf der Hinfahrt am 1. Tag werden wir kurz vor Prag einen kleinen Zwischenstop im Dorf Lidice machen, das im 2. Weltkrieg zum Symbol der Gewaltverbrechen der deutschen Besatzung wurde, und heute ein Ort der Versöhnung ist. Anschließend werden wir uns auf der Karlsbrücke literarisch auf die „goldene Stadt an der Moldau" einstimmen.


Am 2. Tag werden wir Prag in all seinen Facetten kennen lernen. Unser Spaziergang führt uns von der Prager Burg (Hradschin) auf der Kleinseite über die Karlsbrücke zur Altstadt und endet am Wenzelplatz. Die Stadt erzählt uns dabei vom goldenen Zeitalter in der Renaissance. Außerdem erfahren wir, warum in Prag ständig Leute aus irgendwelchen Fenstern stürzten, und wir erleben eine Stadt im Umbruch zu einer modernen Metropole nach dem Sturz des Sozialismus.

Der 3. Tag steht ganz im Zeichen von David Gans. Wir besuchen das Jüdische Viertel mit den Synagogen und dem Grab von David Gans auf dem alten Jüdischen Friedhof. Ein Gespräch mit einem Vertreter der heutigen jüdischen Gemeinde ist angefragt.

Am Vormittag des 4. Tages besuchen wir das nahe gelegene Theresienstadt. Es war das Vorzeigeghetto der Nazis, Zwischenstation auf dem Weg nach Auschwitz. Auch einige Lippstädter Juden sind nach Theresienstadt verschleppt worden. Ihrer möchten wir im Rahmen unseres Besuches besonders gedenken, indem wir von Lippstädter Schülern erstellte Erinnerungsblätter offiziell überreichen.

Am Nachmittag ist in Prag viel Zeit für eigene Erkundungen. Abends treffen wir uns zum Abschiedsessen in einem gemütlichen Restaurant.Auf der Rückfahrt am 5. Tag machen wir einen kleinen Zwischenstop am neuen Jüdischen Friedhof mit dem Grab von Franz Kafka. Gegen Mittag sind wir in Pilsen, wo wir eine der imposantesten Synagogen Europas besuchen. Eine Besichtigung der Pilsener-Brauerei (inkl. Bierprobe) rundet das Programm ab.Infos:Wir wohnen in einem komfortablen Hotel mitten in der Innenstadt (inkl. Frühstück).Reisepreis: 599,- €, Einzelzimmerzuschlag: 120,-€.Fragen zum Programm beantwortet Barbara Birkert, Tel.: 02941-2717733.Anmeldungen nimmt das Lippstädter Reisebüro entgegen, Tel.: 02941-977620.

Lippe und Livland - Mittelalterliche Herrschaftsbildung im Zeichen der Rose.

"Lippe und Livland - Mittelalterliche Herrschaftsbildung im Zeichen der Rose"

so lautet der Titel eines Buches, das gerade im Verlag für Regionalgeschichte Bielefeld erschienen ist. Es enthält zehn Beiträge einer Tagung in Detmold und Lemgo, die sich 2006 mit Bernhard II. und seinen Kindern beschäftigt hat. Mehrere Aufsätze haben direkte Bezüge zu Lippstadt. Allen voran befasst sich Wilfried Ehbrecht, Herausgeber der Lippstädter Stadtgeschichte von 1985, unter der Frage "Verfassung und Recht lippischer Städte - ein Modell?" ganz direkt mit Lippstadt und seiner Gründungsgeschichte. Weitere Schwerpunkte sind Forschungen zur Biografie Bernhards II., zur Baukunst der Lipper und zu ihren Beziehungen ins Baltikum (Livland).

Der reich bebilderte Band, dessen Veröffentlichung vom Stadtarchiv Lippstadt mitfinanziert wurde, ist ab sofort für 24,- € im Stadtarchiv zu erwerben.

Prag-Reise

Prag

Eine Studienreise vom 20. bis 24. September 2008 nach Prag, Lidice, Theresienstadt und Pilsen

An den Anfang dieses Reiseberichtes möchte ich - eingefahrene Gleise der Berichterstattung verlassend und bewusst den Dank der Mitreisenden voranstellend - die Leiterin des Unternehmens „David Gans" setzen, die Kunsthistorikerin Barbara Birkert. Ihr haben wir eine nicht alltägliche Reise in Städte und an Orte unseres östlichen Nachbarlandes zu verdanken. Frau Birkert, geborene Lippstädterin, arbeitete nach ihrem Studium unter anderem am Jüdischen Museum Berlin und an der Alten Synagoge Essen und leitet regelmäßig Studienreisen. Wer hätte besser unsere Reise leiten und durch ihr unerschöpfliches Wissen und ihren mannigfaltigen literarischen Zitatenschatz unser Erfahren nachhaltiger bereichern können? Wer bei beginnender Nacht in Prag auf der Karlsbrücke gestanden hat, die Burg der böhmischen Könige auf der einen Seite betrachtend, den Blick über die Prager Altstadt schweifen lässt, dann über das dunkle Wasser der Moldau auf die zahlreichen, den breiten Wasserlauf überspannenden Brücken schaut, und dabei Zitaten aus Brechts Moldaulied lauscht - ja, der wird diese Pragreise nicht mehr aus seiner Erinnerung lassen!

Nun zur Reise. Bereits zu früher Morgenstunde startete unsere Fahrt in die Stadt, in der der 1541 in Lippstadt geborene jüdische Gelehrte David Gans im Jahre 1613 verstorben ist. Prag, der damalige Sitz der böhmischen Könige und der habsburgischen Kaiser, und die ehemalige Judenstadt in Prag sollten daher vorrangig das Ziel unserer Reise sein - verbunden mit Aufenthalten in den von der deutschen Geschichte im besonderen Maße berührten Orten Lidice und Theresienstadt. Die Stadt Pilsen bildete den Abschluss des Programms.

Zwanzig Kilometer vor Prag legten wir in Lidice einen Halt ein. Wir schauten auf den Ort, den die Nationalsozialisten nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich auf grauenvolle Weise von der Landkarte zu tilgen versuchten, und wir gingen beeindruckt durch die mit 23 000 Rosenstöcken bepflanzte Gedenkstätte.

Am frühen Abend erreichten wir Prag. Trotz der langen Reise gab es kein Halten. Wir machten uns auf zu einem ersten Gang durch die Prager Altstadt, vorbei an den in weiches Licht getauchten, überwiegend in Gelbtönen leuchtenden Häuserfassaden. Wir schlenderten über die Karlsbrücke, immer wieder verweilend und Zitaten zuhörend, und erreichten die Prager Kleinseite. Zeit für einen Besuch in einem der kleinen Gasthäuser unterhalb des Hradschin. Der erste Reisetag endete böhmisch, nicht ohne böhmisches Bier, hell oder dunkel.

Der nächste Tag führte hinauf zum Hradschin, passend zum Wechsel der Burgwachen. Eine Besichtigung des Veitsdomes ließ sich an diesem Sonn

tagmorgen nur mit List und Tücke organisieren, dann richteten sich im Vladislavsaal des Königspalastes unsere Blicke auf das atemberaubend kühne, spätgotische Sterngewölbe. Ein Gang durch das Goldene Gässchen entlang der hohen Burgmauern schloss sich an, dann ging es durch den Wallgarten hinab zu den Adelspalästen und Bürgerhäusern auf der Prager Kleinseite, immer wieder literarischen Exkursen lauschend. Nach der mittäglichen Stärkung setzten wir unsere Wanderung durch Prager Geschichte(n) fort. Von der Karlsbrücke gelangten wir über den Altstädter Ring, in dessen Mitte das Denkmal für den Reformator Jan Hus steht, zum nahe gelegenen Wenzelsplatz. Ein Halt an der Astronomischen Uhr zum Spektakulum des stündlichen Glockenschlages war selbstverständlich.

Der dritte Reisetag war David Gans und dem jüdischen Viertel vorbehalten. In der Maisel-Synagoge, in der die Geschichte der Prager Juden gezeigt wird, erlebten wir die erste Begegnung mit David Gans. In einem Schaukasten fanden wir zwei seiner Schriften. Nur wenige Schritte entfernt liegt der alte jüdische Friedhof. Noch heute stehen hier unter hoch aufragenden Eschen 12 000 Grabsteine, unter ihnen der Grabstein des David Gans. Obwohl er zur Zeit nicht zugänglich ist, war es unserer Reiseleitung gelungen eine Ausnahme zu erlangen. So standen wir alle vor dem alten grünen, nach oben ein Dreieck bildenden Grabstein, in dessen Spitze über dem Davidstern als persönliches Symbol eine Gans eingraviert ist. So ruht hier nun seit beinahe 400 Jahren der geborene Lippstädter David Gans, der sich in Prag als Historiker, Astronom und Geograph einen Namen gemacht hatte.

Nach der Besichtigung weiterer berühmter jüdischer Baudenkmäler gelangten wir zu unserer letzten Station des Vormittags, der im 13. Jh. errichteten Altneuschul. Sie ist heute eines der ältesten Bauwerke der Stadt. Ihr gegenüber steht das alte jüdische Rathaus. Dort empfingen uns am Nachmittag der Oberrabbiner und der Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde und nahmen zu unseren zahlreichen Fragen - in deutscher Sprache - Stellung. Nach einer Stunde zogen wir weiter durch die Gassen zur Stadthalle, wohl Prags schönstem Jugendstilbau, mit einem traditionsreichen, prachtvollen Cafe. Wir konnten nicht widerstehen - in einem derart schönen Raum musste Kaffee getrunken werden! Von der Heiterkeit des Jugendstils - oder war es der Kaffee? - getragen, beendeten wir unseren Rundgang in der nahe gelegenen Jubiläums-Synagoge.

Der Tag vier unserer Studienreise führte uns nach Theresienstadt. Nur wenige wissen, dass es sich bei dem ehemaligen Ghetto des 2. Weltkriegs zugleich um eine der größten Fortifikationen in Europa handelt, die in ihrer historischen Substanz gänzlich erhalten ist. Im Jahre 1780 gegen Preußen mit Zitadelle und vorgelagerter Garnisonsstadt errichtet, wurde sie 1941 ein Sammel- und Durchgangslager für Juden. Zehntausende starben hier, die meisten erwartete der Tod nach ihrer Deportation aus Theresienstadt in die Vernichtungslager im Osten. Unser besonderes Interesse galt dem Leben und dem Leiden der Inhaftierten des Ghettos, zu denen auch jüdische Bürger aus Lippstadt zählten. Zeichnungen und Gedichte der in Theresienstadt inhaftierten Kinder begleiteten uns durch den Ort. Abschließend gedachten wir auf dem jüdischen Friedhof der Lippstädter Juden, deren Schicksal mit Theresienstadt verbunden ist. Am Fuße der steinernen Menora legten wir für sie 16 Gedenksteine nieder. Den Abend nutzten wir zum gemeinsamen Abendessen in einer Gaststätte der Prager Altstadt.

Der Tag der Rückreise war gekommen. Eine Reise nach Prag ohne Stopp in Pilsen ist wohl nicht denkbar. Tschechien und Pilsner Urquell - untrennbar! Doch unser Halt galt zunächst der drittgrößten Synagoge der Welt. Eine Vertreterin der jüdischen Gemeinde führte uns durch dieses großartige Bauwerk, das heute als Konzert- und Ausstellungssaal dient, und führte uns abschließend zu älteren Zeugnissen jüdischer Kultur in Pilsen. Auf dem Weg zum letzten Ziel der Reise spazierten wir durch die unter Denkmalschutz stehende Pilsner Altstadt. Nun war es nicht mehr weit bis zur weltberühmten Pilsner Brauerei. Am Ende des Rundganges durch die Produktionsanlagen landeten wir schließlich in einer unterirdischen Bier-Lagerstätte. Und wie könnte es anders sein? Hier gab es auch eine Bierprobe: ein Glas Pilsner Urquell - noch trüb. Beim gemeinsamen Mittagessen stärkten wir uns für die Heimreise und erreichten wohlbehalten Lippstadt - an vielerlei Wissen und Erfahrung reicher und voller Dank an unsere Reiseleiterin.

Dr. Gunter Hagemann (Kurzfassung eines Reiseberichtes)

4
5
6
7
8
9
10